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Tag des offenen Denkmals in Glückstadt: Denkmalschutz und Stadtentwicklung im Dialog

Abendveranstaltung mit Mehrwert

Glückstadts baukulturelles Erbe im Mittelpunkt

Stephanie Röming, Fachdezernentin Städtebauliche Denkmalpflege vom Landesamt für Denkmalpflege, begeistert mit ihrem Impulsvortrag im Alten Kino.
Stephanie Röming, Fachdezernentin Städtebauliche Denkmalpflege vom Landesamt für Denkmalpflege, begeistert mit ihrem Impulsvortrag im Alten Kino.

© LDSH/Lale von Baudissin

Geschichtsträchtige Orte werden durch ihren historischen Baubestand in besonderem Maße geprägt und erhalten dadurch ihre einzigartige Identität. Glückstadt dient als erste barocke Planstadt in Schleswig-Holstein dabei als besonders anschauliches Beispiel. Dies war Konsens auf der Abschlussveranstaltung um „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag, 13. September, in Glückstadt, zu der das Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport, das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein und die Stadt Glückstadt geladen hatten. Die feierliche Veranstaltung bot einen umfassenden Blick auf die Stadtgeschichte und die damit verbundenen städtebaulichen Besonderheiten und richtete mit einer vielfältig besetzten Diskussionsrunde zudem den Blick nach vorne im Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz.

Die Abendveranstaltung hatte den Abschluss des Aktionstages gebildet, zu dem zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Glückstadt gekommen waren. Den Auftakt des Abends bildeten die feierlichen Grußworte. In den Ansprachen wurden die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der Baukultur und der Denkmalpflege sowie eine diese Fachbereiche berücksichtigende Stadtplanung für die Identität von Städten und Gemeinden hervorgehoben. Gleichzeitig wurde betont, dass das Land durch fachliche Beratung sowie Fördermittel der Städtebauförderung viele Kommunen dabei unterstützt, historische Stadtstrukturen zu erhalten und verträgliche Lösungen für die Ansprüche der Gegenwart zu finden.

Denkmalschutz zwischen Bewahren und Weiterentwickeln

Der Impulsvortrag von Stephanie Röming, Fachdezernentin für städtebaulichen Denkmalschutz im Landesamt für Denkmalpflege, zur städtebaulich-denkmalpflegerischen Bedeutung des Veranstaltungsortes Glückstadt verdeutlichte, dass Denkmalpflege heute weit über den Erhalt einzelner Gebäude hinausgeht und gerade in Städten wie dieser der Schutz historischer Ensembles und Stadtentwicklungsstrukturen im Fokus steht. Dabei besteht in der Bewahrung des gewachsenen historischen Stadtbildes eine Herausforderung, zu dessen Umgang im Anschluss in der Podiumsdiskussion gesprochen worden ist.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Denkmalschutz und Stadtentwicklung miteinander verbunden werden können – im Spannungsfeld von Erhaltung und Veränderung. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Denkmalpflege, Städtebau, Architektur und Eigentümerschaft waren zusammengekommen, um unterschiedliche Perspektiven auf den Umgang mit dem historischen Baubestand zu diskutieren.

Unterschiedliche Perspektiven - ein gemeinsames Ziel

Während aus Sicht der Denkmalpflege insbesondere der Erhalt historischer Bausubstanz und die Bewahrung ihrer baukulturellen Aussagekraft im Mittelpunkt standen, dabei aber auch die denkmalgerechte Nutzung der Kulturdenkmale unter Berücksichtigung moderner Anforderungen bei der Erhaltung eine wichtige Rolle einnahm, waren aus den Bereichen Städtebau und Architektur detaillierte Fragen und Ansichten zur zeitgemäßen Weiterentwicklung und damit verbundenen Umgestaltung in den Dialog eingebracht worden. Auch die Perspektive der Eigentümerschaft hatte deutlich gemacht, dass der Erhalt denkmalgeschützter Gebäude mit praktischen, wirtschaftlichen und nutzungsbezogenen Anforderungen verbunden ist.

Die unterschiedlichen Sichtweisen hatten zu einem offenen und teilweise kontroversen Austausch geführt. Dabei wurde deutlich, dass ein frühzeitiger Dialog zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, bei dem unterschiedliche Interessen benannt und abgewogen werden, die beste Voraussetzung für eine tragfähige Lösung ist. So teilten alle Beteiligten letztendlich das Ziel, das baukulturelle Erbe erhalten zu wollen und gleichzeitig eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung der Städte zu ermöglichen.

Gemeinsam Verantwortung für das baukulturelle Erbe übernehmen

Bürgermeister Rolf Apfeld hatte die Zusammenarbeit von Land und Kommune als besondere Stärke des Aktionstages in seinem Grußwort hervorgehoben: „Der Tag des offenen Denkmals hat eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn Land und Kommune gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Die Zusammenarbeit auf Landes- und kommunaler Ebene hat den Blick auf Glückstadts besonderes baukulturelles Erbe gelenkt und zugleich einen wichtigen Austausch darüber ermöglicht, wie wir unsere historische Stadt auch für die Zukunft lebendig und attraktiv erhalten können.“

Dr. Philip Seifert, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, hatte die besondere Bedeutung Glückstadts hervorgehoben: „Glückstadt ist ein gutes Beispiel dafür, wie eng Stadtgeschichte und Baukultur miteinander verbunden sind und letztendlich die Identität eines Ortes prägen. Die historische Stadtanlage mit ihrem städtebaulichen Gefüge, den Gebäuden und öffentlichen Räumen erzählt von deren Bedeutung in vergangenen Zeiten und zugleich stellt sie uns vor die Aufgabe, dieses Erbe für die Zukunft zu bewahren und dennoch eine Weiterentwicklung zu ermöglichen.“ Um das zu 
schützen, was man kennt, bedarf es dem Zusammenwirken vieler Akteure. So fasste er zusammen: „Umso wichtiger ist dabei gemeinsames Engagement wie am heutigen Abend. Denn für den Erhalt historischer Bausubstanz braucht es Verantwortung, Fachwissen und vor allem den Willen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“ 

Auch Arne Kleinhans, Leiter der Abteilung „Bauen und Wohnen“ im Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport, hatte die Bedeutung der Baukultur für die Zukunft der Städte und Gemeinden betont: „Baukultur ist weit mehr als der Erhalt einzelner historischer Gebäude. Sie prägt unsere Orte, schafft Identität und trägt entscheidend dazu bei, dass Städte und Gemeinden auch in Zukunft lebenswert und zukunftsfähig bleiben. Der Tag des offenen Denkmals hat gezeigt, wie wichtig es ist, das baukulturelle Erbe zu bewahren und zugleich offen für neue Entwicklungen zu sein.“

Dialog als Grundlage für die Stadtentwicklung

Die Abendveranstaltung griff damit einen zentralen Gedanken des gesamten Aktionstages auf. Die Erhaltung historischer Stadtstrukturen könne nur dann dauerhaft gelingen, wenn Denkmalpflege und Stadtentwicklung gemeinsam betrachtet würden. Unterschiedliche Interessen und Perspektiven seien dabei kein Hindernis, sondern eine wichtige Voraussetzung für gute und tragfähige Lösungen auf Basis sachbezogener Abstimmungen.
Mit der gemeinsamen Landesveranstaltung hatten das Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport, das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein und die Stadt Glückstadt gemeinsam mit der Glückstadt Destination Management GmbH ein Zeichen für den Dialog über den Umgang mit dem baukulturellen Erbe gesetzt. Unterstützt worden war die Veranstaltung vom Ortskuratorium Glückstadt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Hintergrund

Die Veranstaltung war Teil des Themenjahres „Städtebauliche Denkmalpflege“, das das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein im Rahmen des Jubiläums „50 Jahre Stadtkernatlas Schleswig-Holstein“ ausgerufen hatte. Ziel war es, historische Stadtkerne als bedeutendes baukulturelles Erbe stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihre Bedeutung für die Identität und Zukunft von Städten und Gemeinden hervorzuheben. Der „Tag des offenen Denkmals“ stand in diesem Jahr nach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“.