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Bundesweiter Aktionstag am 9. Juni: »Catcalling« ist kein Kompliment!

Pfeif- oder Kussgeräusche, aufdringliche Blicke, anzügliche Sprüche auf offener Straße oder übergriffige Nachrichten auf Social Media wie „Hey, geiler Arsch“ oder „Komm doch mal rüber, mit mir ist es nachts immer lustig“ aber auch die ungewollte Konfrontation mit Bildern oder Videos sexuellen Inhalts mittels digitaler Medien: Dies sind noch eher harmlose Beispiele für die recht niedliche Bezeichnung „Catcalling“. Der Begriff stammt aus der englischen Umgangssprache und beschreibt das als lästig empfundene Geschrei von Katern. Darunter werden alle sexuell konnotierten Verhaltensweisen bzw. verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt im öffentlichen Raum zusammengefasst, die überwiegend von Männer durchgeführt werden und sich überwiegend an (vor allem jüngere) Frauen bzw. weiblich gelesene Personen richten.

2023.06.05 Foto Catcalling kein Kompliment

Diese Belästigungen im öffentlichen Raum wirken sich bei Betroffenen sowohl körperlich als auch emotional aus: Sie berichteten von Symptomen wie Muskelverspannungen, Atembeschwerden, Schwindel und Übelkeit sowie starker Angst, z.B. vor Vergewaltigung oder davor, die eigene Privatsphäre nicht schützen zu können. Es sorgt dafür, dass Frauen und Mädchen beginnen Bereiche im öffentlichen Raum zu meiden und sich nicht mehr unbefangen in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Nach einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erleben 44 Prozent der Frauen, aber auch 32 Prozent der Männer, in Deutschland Situationen, in denen sexistische Zeichen und Übergriffe an sie adressiert sind. Als meist berührungslose, aber unzumutbar aufgedrängte vermeintliche Form der Sexualität ist es derzeit zwar noch kein eigener Straftatbestand bzw. keine Ordnungswidrigkeit, aber es handelt sich zweifellos um ausgeübte Gewalt.

Nicht erst die „#Me-Too“-Bewegung hat das Problem sexueller Übergriffe im Alltag, überwiegend durch Männer, in den Blick der internationalen Öffentlichkeit gerückt.

Die diversen Catcalling-Verhaltensweisen öffentlich zu machen an den Orten, an denen Catcalling geschieht, haben sich verschiedene Akteur*innen am bundesweiten Aktionstag vorgenommen. Ein Jahr lang konnten Betroffene ihre Vorfälle melden, die an diesem Aktionstag an ausgesuchten Orten mit Kreide im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden. Initiiert wurde der nationale Anti-Catcall-Tag von Simone Semmler, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Salzgitter.

Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages liest die Autorin Hannah Klümper am 09. Juni um 18 Uhr aus ihrem Buch „Catcalls – Auch Worte sind Belästigung“. Die Lesung wird online unter diesem Link übertragen. Anschließend ist mit der Autorin, dem Jugendparlament Salzgitter sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Salzgitter, Simone Semmler, eine Diskussion geplant. Musikalisch begleitet von Anlina Ludwig. Wenn Sie an der Diskussion teilnehmen möchten, wenden Sie sich an L.Amende@glueckstadt.de.

Mit der Aktion soll auch auf die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung dieser Vorfälle als Straftatbestand hingewiesen werden. Catcalling ist Sexuelle Belästigung und somit #keinKompliment“, denn es reduziert Betroffene auf ihre sexuelle „Verfügbarkeit“.

So soll nicht nur die Sensibilität für das Thema erhöht werden, sondern Betroffene und Zuschauende in ihrer Zivilcourage gestärkt werden sowie sogenannte „Angsträume“, also Orte mit erhöhtem Bedrohungspotenzial für Frauen, identifiziert und reduziert werden.