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10.06.2022: Bundesweiter Aktionstag gegen "Cat Calling" - Aufruf

Catcalling begegnet insbesondere (jungen) Frauen und weiblich gelesenen Menschen im Alltag in vielerlei Weise.

  • Pfeif- oder Kussgeräusche, aufdringliche Blicke, anzügliche Sprüche auf offener Straße
  • Übergriffige Nachrichten auf Social Media wie „Hey, geiler Arsch“!
  • Ungewollte Konfrontation mit Bildern oder Videos sexuellen Inhalts im Netz

Das sind wenige Beispiele für die verharmlosende Bezeichnung „Catcalling“ (englisch wie „Katzen-Rufen“). Unter Catcalling werden alle sexuell konnotierten Verhaltensweisen bzw. verschiedene Arten der sexuellen Belästigung ohne Körperkontakt im öffentlichen Raum zusammengefasst. Insbesondere verbale Formen der (sexuellen) Belästigung werden noch immer normalisiert, verharmlost oder als „Kompliment“ wahrgenommen und dargestellt.

Dabei hat Catcalling schlimme Auswirkungen!

Belästigungen auf der Straße wirken sich bei Betroffenen körperlich und emotional aus: Sie berichteten von Symptomen wie Muskelverspannungen, Atembeschwerden, Schwindel und Übelkeit sowie starker Angst, z.B. vor Vergewaltigung oder davor, die eigene Privatsphäre nicht schützen zu können.  Catcalling führt dazu, dass Frauen und Mädchen Bereiche im öffentlichen Raum meiden und sich nicht mehr unbefangen in der Öffentlichkeit bewegen. Dies ist eine enorme Einschränkung der persönlichen Freiheit!

Catcalling: ein gesellschaftliches Problem

44 Prozent Frauen und 32 Prozent Männer haben solche sexistischen Angriffe schon erlebt: Das hat eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ergeben.

Die meist berührungslose, aufgedrängte Sexualität ist es derzeit noch kein eigener Straftatbestand bzw. keine Ordnungswidrigkeit. Außerdem suchen viele Betroffene den Fehler bei sich oder werfen sich vor, in der Situation falsch gehandelt zu haben.

Das muss sich ändern!

Bundesweite Aktion

Von Juni 2022 bis Mai 2023 sind Betroffene aufgerufen, ihre erlebten Belästigungen über eine zentrale Mailadresse zu melden. Auch hier in Glückstadt können Sie, liebe Glückstädter*innen, mir ihre Erlebnisse an die E-Mail-Adresse keinkompliment@glueckstadt.de zusenden. Wichtig ist, eine konkrete Angabe über die Art des Deliktes sowie Ort, wenn möglich Datum und Uhrzeit. Ich werde dabei mit lokalen Anlauf- und Beratungsstellen zusammenarbeiten. Alles geschieht selbstverständlich unter strengster Vertraulichkeit. Insgesamt sind mehr als 40 Kommunen und Kreise in der Bundesrepublik an der Aktion beteiligt. Die Meldungen gesammelt und dokumentiert. Initiatorin des Anti-Catcalling-Tages #keinKompliment ist die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Salzgitter, Simone Semmler.

Am zweiten Aktionstag, den 9. Juni 2023 werden regional organisierte Aktionsgruppen diese Übergriffe mit Kreide dann an dem Ort sichtbar machen, an dem sie stattgefunden haben. Mit der Aktion sollen auch kommunale Entscheidungsträger*innen (z.B. im Bauamt, im Ordnungsamt oder bei der Polizei) darauf aufmerksam gemacht werden, an welchen Stellen in ihrer Stadt/Kommune sogenannte „Angsträume“ sind, also Orte die für Frauen gefährlich sind.