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Vorlage - /2020/067  

Betreff: Bebauung mit Minihäusern (Tiny)
Antrag der Fraktionen BFG, CDU, SPD und FDP
Status:öffentlich  
Art:der Fraktionen BFG, CDU, SPD und FDP
Federführend:Fachbereich IV - Technik und Stadtentwicklung   
Beratungsfolge:
Bauausschuss
03.06.2020 
Sitzung des Bauausschusses      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
Gemeinsamer Antrag der Fraktionen BFG, CDU, SPD und FDP  

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:


 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sach- und Problemdarstellung:

Siehe Anlage

 

 

Hinweis der Verwaltung:

Grundsätzlich könnte die Stadt Glückstadt eine Bebauung mit Tiny Houses auf allen Flächen im Stadtgebiet ermöglichen. Dazu müsste sie aber jeweils Bebauungspläne aufstellen oder ändern. Denn dort, wo es Bebauungspläne gibt, wären Tiny Houses in der Regel nicht zulässig, weil sie den Gestaltungsvorschriften, zum Beispiel bezüglich der Materialien und der Dachform, widersprechen.  Tiny Houses haben häufig eine Außenhaut aus Holz und ein flaches oder gering geneigtes Blech- oder Pappdach. Gebäude mit Holzfassade sind in Glückstadt zulässig z.B. im Tegelgrund und künftig im Baugebiet An der Bahn. Schwieriger wird es bei den Dächern. Hier sind in den Baugebieten, in denen es Bebauungspläne gibt, Pfannen (Ziegel oder Beton) vorgeschrieben. Lässt man andere Materialien zu, können diese aber auch bei allen anderen Haustypen verwendet werden.

In Baugebieten, in denen es keine Bebauungspläne gibt (wie z.B. Bole und Nordmarksiedlung), richtet sich die Zulässigkeit von Tiny Houses nach der Möglichkeit der Einfügung in die vorhandene Umgebung. Auch hier könnte es wegen der besonderen Bauform und Gestaltung der Gebäude Probleme geben. Will man rechtlich eindeutige Verhältnisse schaffen, um die Zulassung von Tiny Houses zu ermöglichen, geht dies nur über die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Es stellt sich die Frage, ob der Aufwand, der mit der Erstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes verbunden ist, vor dem Hintergrund gerechtfertigt wäre, dass es in den bestehenden Baugebieten im Grunde genommen keine freien Grundstücke mehr für eine Bebauung mit Tiny Houses gibt. Und eine Bebauung von freien Flächen auf Grundstücken, auf denen bereits ein Gebäude steht, würde weitere planungsrechtliche Fragen auslösen, die die Zulässigkeit erschweren.

 

Bei der Planung zukünftiger Baugebiete könnte man Tiny Houses von vornherein in der Bauleitplanung berücksichtigen, sollte dabei aber Folgendes bedenken:

 

-          Tiny Houses sind üblicherweise eingeschossig und enthalten eine Wohneinheit. Eine Bebauungsform mit zwar kleinen, aber jeweils mit nur einer Wohneinheit bebauten Grundstücken ist im Vergleich zu Doppelhäusern oder mehrgeschossigen Wohnungsbau nicht flächensparend. Der Aufwand für die technische Netzinfrastruktur ist je Wohneinheit bei Minihäusern eher hoch. Auch das Verhältnis von Außenhülle zu Gebäudevolumen, welches eine wichtige Kenngröße für den Energieverbrauch darstellt, ist bei kleinen Einheiten geometrisch betrachtet schlechter als bei größeren.

-          Auch Minihäuser müssen hierzulande grundsätzlich die Anforderungen der Landesbauordnung an Wohnungen und die Wärmeschutzanforderungen der Energieeinsparverordnung erfüllen. Alternative Energieversorgung wie Erdwärme und Solar- und Photovoltaikanlagen sind begrüßenswert. Deren Einsatz ist aber bei kleinen Wohneinheiten nicht zwingend einfacher. Sinnvolle Systeme wie die Kraft-Wärme-Kopplung bei BHKW lassen sich in größeren Einheiten besser realisieren.

-          Grundsätzlich ist es in der Stadtplanung so, dass je mehr Freiheiten dem einzelnen Objekt zugestanden werden, es desto schwieriger wird, ein Baugebiet mit einigermaßen geschlossenem Gesamteindruck, einem Quartiergefühl, entstehen zu lassen. Es gilt wie so oft abzuwägen, wie stark die Erfüllung von Individualwünschen einerseits und die Bedürfnisse der Gemeinschaft andererseits gewichtet werden. Immer wieder sind die beliebten, lebendigen Quartiere genau solche, die eine klare städtebauliche Handschrift tragen und nicht aus einem Sammelsurium von individuellen Gestaltungsvorlieben bestehen.

 

Tiny Houses in Glückstadt-Nord:

Tiny Houses sind nicht per se „nachhaltiger und ökologischer Wohnraum“. Sie sind aufgrund ihrer geringen Fläche sicherlich nachhaltiger als herkömmliche Einfamilienhäuser, aber sicherlich weniger nachhaltig als mehrgeschossiger, energieeffizienter Wohnungsbau. Insofern sind sie für Glückstadt-Nord, wo vordringlich ein solcher Wohnungsbau geschaffen werden soll - z.B. in der Hans-Böckler-Siedlung - nicht geeignet.

 

Informationen zu Vor- und Nachteilen von Tiny Houses finden Sie zum Beispiel unter folgenden Links:

https://wohnglueck.de/artikel/vorteile-nachteile-tiny-house-4778

https://www.stern.de/auto/service/tiny-house---die-kleinen-haeuschen-haben-auch-eine-negative-seite-8546756.html

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagenverzeichnis:

Gemeinsamer Antrag der Fraktionen BFG, CDU, SPD und FDP

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Gemeinsamer Antrag der Fraktionen BFG, CDU, SPD und FDP (1062 KB)