Sprungziele
Seiteninhalt

Vorlage - /2018/021-1  

Betreff: Verbesserung der Wohnraumsituation
Antrag des Forums für Vielfalt
Status:öffentlich  
Art:MitteilungBezüglich:
/2018/021
Federführend:Fachbereich III - Familie, Bildung, Soziales und Integration   
Beratungsfolge:
Sozialausschuss
20.06.2018 
Sitzung des Sozialausschusses zur Kenntnis genommen   
04.12.2018 
Sitzung des Sozialausschusses zur Kenntnis genommen   
Stadtvertretung der Stadt Glückstadt
28.06.2018 
Sitzung der Stadtvertretung der Stadt Glückstadt zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
Geförderte Objekte in Glückstadt  

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sach- und Problemdarstellung:

Der Sozialausschuss hat sich in seiner Sitzung am 06.02.2018 mit dem Antrag des Forums für Vielfalt zur Verbesserung der Wohnraumsituation für Migrant*innen befasst.

 

Als Diskussionsergebnis wurde festgehalten, dass

 

  • durch den angespannten Wohnungsmarkt die Not in allen Bevölkerungsschichten vorhanden ist,
  • eine Verpflichtung zur Vorhaltung von preiswertem Wohnraum vorhanden ist,
  • der soziale Wohnungsbau über viele Jahre vernachlässigt wurde.

 

Im Rahmen der Diskussion zu dem Thema hat der Sozialausschuss empfohlen, dass die Thematik in den Fraktionen besprochen und erneut im nächsten Sozialausschuss beraten werden soll. Die Verwaltung wurde gebeten, sofern möglich, belastbares Zahlenmaterial zu ermitteln.

 

Grundsätzliche Problemstellung

 

Die Themen rund um den Bedarf an geeignetem Wohnraum sind vielschichtig und unabhängig von Alter, Geschlecht und kultureller Zugehörigkeit zu betrachten und sollten inklusive Entwicklungen mit einbeziehen. Zu beachten sind gesetzliche Vorgaben, unterschiedliche Zuständigkeiten und insbesondere gesellschaftliche Veränderungen. Darüber hinaus sind begrenzte kommunale Einflussmöglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt zu berücksichtigen sowie politische Zielsetzungen und Beschlüsse erforderlich.

 

Wie in vielen Städten und Gemeinden ist auch bei der Glückstädter Bevölkerung ein größer werdendes Gefälle in der Einkommensstruktur und damit in den Lebensverhältnissen erkennbar. Laut Statistischem Bundesamt (2016) ist knapp jede/r Fünfte (19,7 %) in Deutschland (rd. 16 Millionen Menschen) von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen.

 


Damit eng verbunden ist der Bedarf an „günstigen“ Wohnraum für Bürger*innen mit geringem Einkommen. Gerade mit der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber*innen / Geflüchtete wurde nach und nach auch in Glückstadt das Problem des gering vorhandenen bezahlbaren Wohnraumes sowie die Verdrängung anderer Mieter*innen mit wenig Einkommen deutlich. Der Mietmarkt in Glückstadt in dem zu realisierenden Mietpreissegment ist so gut wie erschöpft. Indem sich die Schere der sozialen Ungleichheit immer mehr öffnet, sind der soziale Frieden und das soziale Miteinander auch in Glückstadt instabiler geworden.

 

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich einige Wohnungen auch in einem sehr schlechten Zustand befinden.

 

In Glückstadt fehlt es an

 

  • allgemein günstigen Wohnraum.,
  • Wohnungen für die zugewiesenen Asylbewerber*innen, Geflüchtete,
  • Wohnungen zur Unterbringung der Wohnungslosen.

 

Sozialer Wohnungsbau

 

Bei dem sozialen Wohnungsbau handelt es sich um den staatlich geförderten Bau von Wohnungen. Zugangsvoraussetzung für den sozialen Wohnraum ist ein Wohnberechtigungsschein nach § 8 des Schleswig-Holsteinischen Wohnraumförderungsgesetz (SHWoFG). Dieser ist an bestimmte Einkommensgrenzen geknüpft.

 

Im Jahr 2017 wurden in der Stadt Glückstadt 52 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt, 33 Anträge mussten abgelehnt werden.

 

Die Wohneinheiten, die in der Stadt Glückst derzeit einer öffentlichen Förderung unterliegen, sind in der Anlage 1 zusammengestellt.

 

Die zukünftige Entwicklung ist schwer einschätzbar, da diese grundsätzlich nicht der Steuerung der Stadt unterliegt. Trotzdem sollten die auslaufenden Bindungen politisch mit in etwaige Planungen einbezogen werden.

 

Ein weiteres grundsätzliches Problem für den Mietwohnungsmarkt in Glückstadt ist das geringe Mietniveau. Bei einem Mietpreis von 4,00  6,00 €/qm für Bestandsmieten im Geschoss­wohnungsbau sind Investitionen nur schwer zu finanzieren. Mieten von 10,00 €/qm (und mehr), die für die wirtschaftliche Erstellung von Neubauten erforderlich wären, sind kaum zu erzielen.

 

Das in Gebieten mit hohem Mietniveau gängige Modell, von Investoren zu verlangen, 30 % der Wohnungen im sozialen Wohnungsbau zu errichten, erscheint für Glückstadt aufgrund mangelnder Querfinanzierungsmöglichkeit mit frei finanziertem Wohnraum kaum realistisch. Hier ist die soziale Wohnraumförderung des Landes gefragt.

 

Herausforderung bezahlbares Wohnen

 

Die vorgegebenen Mietobergrenzen erschweren das Finden angemessener Wohnungen für Transferleistungsempfänger*innen. Der Personenkreis erhält zwar einen Wohnberechtigungsschein, eine „Sozialwohnung“ kann dennoch nicht angemietet werden, da die Mieten oftmals die vorgegebenen Höchstgrenzen überschreiten. Eine Folge daraus ist auch, dass Haushalte ab 2 Personen aufwärts Wohnungen anmieten, die erheblich kleiner sind, als die ihnen zustehenden Wohnungsgrößen nach dem Wohnungsbindungsgesetz.

 

Das Vorhandensein von ausreichenden Wohnungen mit sozialhilferechtlich angemessener Miethöhe ist wiederum die wesentliche Voraussetzung, um einerseits den sozialen Abstieg in die Wohnungslosigkeit zu verhindern bzw. andererseits einen Weg aus der Wohnungslosigkeit heraus zu ermöglichen.

 

Bezahlbarer Wohnraum in Glückstadt fehlt aber nicht nur für Wohnungslose und Geflüchtete sowie allgemein Transferleistungsempfänger*innen sondern auch für eine Vielzahl anderer Bevölkerungsgruppen mit geringem und mittlerem Einkommen (beispielsweise Einzelpersonen, Familien/Alleinerziehende mit Kindern). Es unterliegt der politischen Steuerung in welchen Preissegmenten Wohnraum in welchem Umfang entstehen sollte. Die Nachfrage scheint in allen Preisklassen vorhanden zu sein.

 

Mögliche Lösungsansätze zur Verbesserung der Wohnungssituation als Diskussionsbeitrag

 

Im Jahre 2014 wurde das „Wohnungsmarktkonzept Glückstadt und Umland“ erstellt (www.glueckstadt.de >Verwaltung & Politik >Verwaltung >Zukunftskonzept Daseinsvorsorge), das die Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes in Glückstadt beschreibt und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Dieses Konzept wurde am 10.07.2014 von der Stadtvertretung als Grundlage für die zukünftige Wohnflächen- und Wohnungsmarktentwicklung beschlossen (Drucksache 2014/033). Die gravierenden Auswirkungen der Flüchtlingsbewegungen, insbesondere im Jahre 2015, sind in diesem Konzept allerdings nicht berücksichtigt, so dass eine Teilfortschreibung notwendig erscheint. Die Verwaltung erarbeitet derzeit einen entsprechenden Förderantrag.

 

Inwieweit und ab wann eine Bebauung des ehemaligen EAW-Geländes zu einer Verbesserung der Wohnsituation in Glückstadt führt, ist derzeit nicht absehbar. Das Gelände ist überwiegend für freistehende Einfamilienhäuser vorgesehen, im südlichen Grundstücksteil ist auch Geschoss­wohnungsbau geplant. Der Verwaltung liegen aber keine Erkenntnisse dazu vor, wann wie viele Wohnungen welcher Größe errichtet werden und zu welchen Konditionen sie in den Wohnungsmarkt eingebracht werden sollen. Über sozialen Wohnungsbau wurde in diesem Zusammenhang bisher nicht diskutiert.

 

Lösungsansätze zur Verbesserung der Wohnungssituation sollten sich – auch vor dem Hintergrund des Projektes „Soziale Stadt“ – auf den Stadtteil Glückstadt-Nord konzentrieren. Hier wird sich die Stadt gemeinsam mit Wohnungsbauunternehmen um eine deutliche Verbesserung der Situation bemühen. Mit dem gezielten Einsatz von öffentlichen Mitteln kann hier nicht nur positiv auf den Wohnungsmarkt eingewirkt, sondern gleichzeitig auch das Image des Stadtteils verbessert werden.

 

Wenn man sich nun konkret mit den Themen Vermeidung von Wohnungslosigkeit und Verbesserung der Unterbringungsmöglichkeiten näher befasst, ist es vorab zweckmäßig, hierbei die Gesamtproblematik zu betrachten.

 

Wohnungsnotfälle

 

Neben den Begriff „Wohnungslosigkeit“ ist in den letzten Jahren der Begriff des „Wohnungsnotfalls“ getreten. Wohnungsnotfälle sind Haushalte und Personen mit einem Wohnungsbedarf von hoher Dringlichkeit, die aufgrund besonderer Zugangsprobleme (finanzieller und/oder nicht-finanzieller Art) zum Wohnungsmarkt der besonderen institutionellen Unterstützung zur Erlangung und zum Erhalt von angemessenem Wohnraum bedürfen. In der Gesamtgruppe der Wohnungsnotfälle wird im Wesentlichen nach folgenden Teilgruppen unterschieden:

 


 

Teilgruppe

Lebenslage

Wohnungslose

aktuell von Wohnungslosigkeit betroffen oder wegen unfreiwilliger Wohnungslosigkeit unter­gebracht, d.h. ohne eigene mietrechtlich abgesicherte Wohnung (oder Wohneigentum)

Unmittelbar von Wohnungslosigkeit Bedrohte

der Verlust der derzeitigen Wohnung steht unmittelbar bevor wegen Kündigung des Vermieters/der Vermieterin, einer Räumungsklage (auch mit nicht vollstrecktem Räumungstitel), einer Zwangsräumung oder sonstiger Gründe (z.B. Entlassung aus einer (Straf-) Anstalt, Frauenhaus)

In unzumutbaren Wohnverhältnissen lebend

Wohnung vorhanden, aber in verschiedenen Dimensionen unzureichend (bauliche Qualität, besonders beengte Wohnverhältnisse, untragbar hohen Mieten, Ausstattung, eskalierende Konflikte im Zusammenleben (z.B. von Gewalt geprägte Lebensumstände) etc.)

 

Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Wohnungslosigkeit bzw. drohende Wohnungslosigkeit erst dann beendet ist, wenn ein eigener Mietvertrag/Untermietvertrag abgeschlossen bzw. der Wohnungserhalt für längere Zeit sichergestellt wurde.

 

Einflüsse auf die Entwicklung von Wohnungsnotfällen

 

Die Einflussfaktoren auf die Anzahl der Wohnungsnotfälle sind sehr unterschiedlich und entziehen sich überwiegend der direkten Steuerungsmöglichkeit der Stadt. Insbesondere sind hier zu nennen:

 

  • bundesgesetzliche Rahmenbedingungen (z.B. Sanktionsmechanismen SGB II) und weitere Umsetzungsvorgaben des Bundes, die sich dem Einfluss der Kommunen entziehen;
  • die Zunahme von ver- und überschuldeten privaten Haushalten;
  • fortschreitende Verknappung von preisgünstigen Wohnungen, insbesondere für Einpersonenhaushalte und größere Familien;
  • bestehende mangelnde Qualität einiger Wohnungen,
  • bestehende Zunahme von „Problemmietern“;
  • geringe Partizipation bestimmter Bevölkerungsgruppen am wirtschaftlichen Aufschwung;
  • eine anhaltend hohe Zahl von Transferleistungsempfänger*innen,
  • Wohnraum , der durch nachziehende Familienangehörige und Neugeborenen zu klein wird.

 

Wohnungslose bundesweit

 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W), der Dachverband der Wohnungslosenhilfe in Deutschland, hat am 14. Nov. 2017 ihre aktuelle Schätzung zur Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland vorgelegt. In 2016 waren demnach ca. 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung - seit 2014 ist dies ein Anstieg um ca. 150 %. Die BAG W prognostiziert von 2017 bis 2018 einen weiteren Zuwachs um ca. 350.000 auf dann ca. 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Das wäre eine weitere Steigerung um ca. 40%.

 

Laut BAG W handelt es sich bei 440.000 aller wohnungslosen Menschen um Geflüchtete. Sie werden in der Schätzung für das Jahr 2016 erstmals in der Statistik berücksichtigt, was ein Grund für den starken Anstieg im Vergleich zu 2014 ist. Allerdings ist die Zahl der Wohnungslosen auch ohne Berücksichtigung der Geflüchteten in den vergangenen beiden Jahren um etwa 25 Prozent von 335.000 auf 420.000 gestiegen.“ (Quelle: Die ZEIT, 14.11.2017).

 

 

Wohnungslose in Glückstadt, rechtliche Vorgaben

 

Asylbewerber*innen / Geflüchtete

Mit der Zuweisung von Asylbewerber*innen ist die Stadt gemäß § 1 Abs. 2 Landesaufnahmegesetz

S-H (LAufnG) zuständig für die vorläufige Unterbringung/Wohnraumversorgung.

 

Ab Statusänderung „Asylberechtigt“ bzw. „anerkannte Geflüchtete“ gelten diese als Wohnungsnotfall, sofern sie noch in den Wohnungen/Unterkünften der Stadt vorübergehend untergebracht sind.

 

Die Unterbringung von Einzelpersonen erfolgt grundsätzlich in der Containerwohnanlage; für Frauen, Familien und Kinder werden - entsprechend der Beschlusslage - von der Stadt geeignete Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt, sofern möglich, angemietet.

 

Wohnungslose

Gemäß § 174 Landesverwaltungsgesetz besteht eine Unterbringungspflicht der Kommunen. Jede wohnungslose Person hat hierauf bei Antragsstellung einen gesetzlichen Anspruch, unabhängig von einer vorherigen/früheren Meldeadresse an einem anderen Wohnort.

 

Nicht zu diesem Personenkreis gehören, Personen, die nicht sesshaft sind und auch keine Anzeichen für eine freiwillige Sesshaftigkeit erkennen lassen (freiwillige Wohnungslosigkeit).

 

Die Unterbringung von Wohnungslosen erfolgt in der städtischen Obdachlosenunterkunft (ohne Geflüchtete) sowie - entsprechend der Beschlusslage - in der Containerwohnanlage.

 

Problemlagen, Betreuung

 

Asylbewerber*innen / Geflüchtete

Die Personen mit ihren unterschiedlichen (persönlichen) Problemlagen sind der Verwaltung überwiegend ab Zuweisung bekannt. Im Rahmen der integrationsorientierten Aufnahme erhalten Asylbewerber*innen und anerkannte Geflüchtete von Beginn an eine haupt- und ehrenamtliche (soziale) Betreuung und Begleitung (z.B. Erstorientierung, Alltagshilfe, Umgang mit Behörden bei rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten).

 

Im Bereich des Wohnens zielt die hauptamtliche Präventionsarbeit insbesondere darauf ab, Geflüchtete und Ehrenamtliche bei der Klärung von Rahmenbedingungen (des Wohnens), zu unterstützen. Hierzu gehört die Antragstellung und Durchsetzung zustehender Sozialleistungen für den Abschluss eines eigenen Mietvertrages, Klärung ob ein Umzug erlaubt ist, Klärung der Miethöhe, Kautions- und Mietzahlungen durch das Jobcenter.

 

Im Rahmen der hauptamtlichen Betreuung übernimmt die Stadt  -entsprechend der derzeitigen Beschlusslage- eine Akquise, Unterstützung bei der Wohnungssuche ausschließlich für Familien mit Kindern und nur dann, wenn im vorhandenen Wohnungsbestand keine Umzüge möglich sind. Die Unterstützung bei der Wohnungssuche erfolgt somit mittlerweile ausschließlich durch das Ehrenamt. Aufgrund der angespannten Wohnungsmarktsituation erfordert diese Unterstützung und Begleitung einen stark erhöhten Zeitaufwand beim Ehrenamt (leider überwiegend ohne „Erfolgserlebnisse“), was wiederum zu Frustration bis hin zur Aufgabe der ehrenamtlichen Unterstützung führt.

 

Die hauptamtlichen Betreuungsleistungen für Geflüchtete (Wohnungsverwaltung, (aufsuchende) Flüchtlings- und Wohnungsbetreuung) werden durch die Integrations- und Aufnahmepauschale des Landes refinanziert. Für die hauptamtliche Betreuung und Beratung des Ehrenamtes erhält die Stadt ebenfalls eine Landesförderung.

 

 

Wohnungslose (ohne Geflüchtete)

Im Rahmen der Gefahrenabwehr (im ordnungsrechtlichen Sinne) besteht die Hauptaufgabe darin, Personen, die nach Ausschöpfung aller zumutbaren Eigenmaßnahmen keine, ggf. auch nur vorübergehende, Unterkunft erlangen können und somit unfreiwillig ohne Unterkunft sind, durch Einweisung in die „Notunterkünfte“ mit einer Unterkunft zu versorgen. Eine (soziale) Betreuung und Begleitung ist im Rahmen der Gefahrenabwehr nicht gegeben.

 

Eine ordnungsbehördliche Unterbringung erfolgt in aller Regel aufgrund einer durchzuführenden Zwangsräumung oder durch direkte Vorstellung des Betroffenen.

 

Sobald die Meldung des Gerichtsvollziehers über die Räumung einer Wohnung im Ordnungsamt eingeht, werden die Betroffenen angeschrieben und zur Klärung der Angelegenheit zu einem Gespräch eingeladen. In 2017 standen 8 Zwangsräumungen an, von denen 1 Person das Angebot annahm.

 

Die von Zwangsräumung betroffenen Haushalte mit Kindern/Jugendlichen suchen sich in der Regel selber Unterkünfte, da sie die Unterbringung der Kinder in der Stadtstraße vermeiden möchten. Zum anderen wird, wenn minderjährige Kinder betroffen sind, durch die Stadt das Kreis-Jugendamt eingeschaltet. Auch von der Seite wird alles versucht, um eine Unterbringung Minderjähriger zu vermeiden.

 

9 Personen haben sich im Ordnungsamt als obdachlos gemeldet. Im Rahmen der Gefahrenabwehr war die Einweisung in eine Obdachlosenunterbringung vorzunehmen.

 

Es wurden junge Leute, psychisch Kranke, Alkoholiker, Straffällige, Arbeitslose, Leute mit Arbeitsstelle, betreute Personen oder Personen, denen ein/e Bewährungshelfer*in zur Seite steht, untergebracht, jedes Schicksal ist anders. Finanzielle Schwierigkeiten sind der überwiegende Grund für Zwangsräumungen. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass für verschuldete Personen (insbesondere mit Schufa-Einträgen) es nur unter schwersten Bedingungen möglich ist, einen Mietvertrag zu erhalten.

 

Zurzeit sind 12 Personen in den Obdachlosenunterkünften Stadtstraße und Der Keil untergebracht.

 

Wohnungslose stellen eine äußerst heterogene Zielgruppe dar, insbesondere

 

  • die ohne Mietvertrag untergebracht sind, wobei die Kosten nach Sozialgesetzbuch XII und/oder SGB II übernommen werden,
  • die bedürftig sind, aber keine Leistungen erhalten, weil sie ihre Rechtsansprüche aus unterschiedlichen Gründen nicht wahrnehmen oder über keine leistungsrechtlichen Ansprüche verfügen,
  • die bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend unterkommen,
  • die Hilfen und professionelle, personenbezogene Unterstützung benötigen, weil sie für die bestehenden vielfältigen Probleme alleine keine Lösungen sehen und finden,
  • die sich aus eigenen Kräften nicht aus der Situation der Wohnungslosigkeit und vielfältigen Problemlagen bringen können.

 


Zur Abwendung eines bevorstehenden Wohnungsverlustes werden die Stadt Glückstadt (Sozialamt) und das Jobcenter jeweils für „ihr Klientel“ vom Amtsgericht  über Räumungsklagen informiert. Bei Räumungsklagen / Zwangsräumungen handelt es sich jedoch vorrangig um Klientel, das in den Zuständigkeitsbereich des hiesigen Jobcenters fällt und sich damit der Kenntnis der Verwaltung entzieht.

 

In unserem Zuständigkeitsbereich befinden sich die Betroffenen meistens (noch) nicht im laufenden Bezug von Sozialleistungen. Seitens des Sozialamtes werden die Betroffenen angeschrieben und zur Beratung eingeladen. Dies erfolgte im Jahr 2017 in 25 Fällen. Lediglich 10 Betroffene haben das Angebot wahrgenommen.

 

Im Rahmen der Beratung (Pflichtaufgabe) werden vorrangige Hilfebedarfe betrachtet (z.B. Wohngeld, Kindergeldzuschlag, Eingliederungshilfe, Schuldnerberatung). Darüber hinaus wird ein etwaiger Leistungsanspruch inkl. der Möglichkeit zur Übernahme von Mietrückständen geprüft. Eine weitergehende bzw. begleitende (soziale) Betreuung und Begleitung (Wohnungssuche) erfolgt nicht, so dass auch nicht bekannt ist, ob und inwieweit die Betroffenen entsprechende Hilfsangebote auch tatsächlich in Anspruch nehmen bzw. den Wohnungsverlust selbst abwenden konnten.

 

Hauptamtliche Betreuungsleistungen für Wohnungslose (analog der Betreuung von Geflüchteten) wäre eine freiwillige Leistung der Stadt Glückstadt ohne Refinanzierungsmöglichkeit.

 

Mögliche Lösungsansätze als Diskussionsbeitrag

 

Wie bereits bekannt, beabsichtigt die Verwaltung, unabhängig von der Verwaltungs­umstrukturierung, die ordnungsrechtliche Unterbringung von wohnungslosen Personen in den Fachbereich III, Soziales, einzubinden. Eine Umsetzung dieser Maßnahme kann jedoch erst erfolgen, wenn im Rahmen der Umstrukturierung die personellen Ressourcen geklärt sind.

 

Ziel ist es, in Abhängigkeit der zukünftig zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen, die haupt- und ggf. ehrenamtliche (soziale) Betreuung auf die Wohnungslosen auszuweiten, um so eine Gleichbehandlung der Personenkreise zu erreichen (Chancengleichheit, Wahrung sozialer Frieden).

 

Aus Sicht der Verwaltung wäre ein Projekt „Probewohnen“ eine zielführende Maßnahme zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit bzw. zur Verbesserung der Wohnungssituation.

 

Projekt „Probewohnen“

 

Die Stadt Glückstadt hat neben der Containerwohnanlage aktuell 42 Wohnungen mit angemessenen Mieten für Transferleistungsempfänger*innen angemietet. Dieser Wohnungsbestand ist auch weiterhin für die Unterbringung bzw. für bedarfsgerechte Umzüge im Wohnungsbestand erforderlich, zumal derzeit nicht benannt werden kann, mit wieviel Zuweisungen von Asylbewerber*innen und Familiennachzügen zu rechnen ist. Darüber hinaus ist derzeit auch kaum ein Vermieter bereit, direkt mit den Bewohner*innen einen Mietvertrag abzuschließen. Hintergrund dabei ist hauptsächlich die ungewisse Bleibeperspektive bei befristeten Aufenthaltstiteln sowie bei abgelehnten Geflüchteten. Bei freiwilligen Ausreisen ohne ordentliche Kündigung müssen Vermieter Räumungsklage einreichen und einen Räumungstitel erwirken, um die Wohnung wieder nutzen zu können. Diese langwierigen Verfahren sind mit finanziellen Aufwendungen bei gleichzeitigem Mietausfall verbunden.

 

Ein wichtiger Baustein zur Unterstützung der Wohnungslosen könnte daher das Projekt Probewohnen sein. (Ausgewählte) Wohnungslose bekommen damit auch die Chance, sich in regulären Mietwohnungen unter Begleitung der Stadt Glückstadt für einen späteren Miet­vertragsabschluss zu bewähren.

 

Insbesondere für den Personenkreis der Alleinerziehenden und Familien mit Kindern, die durch Räumungsklagen von Wohnungslosigkeit bedroht bzw. bereits wohnungslos sind und aufgrund von Verschuldung / Schufa-Einträgen keine Chance auf einen Mietvertrag hätten könnte dadurch eine Grundlage für den zukünftigen Erhalt eines eigenen Mietvertrages geschaffen werden.

 

In dem seitens der Stadt auch die Steuerung der Wohnraumvermittlung (z. B. Festlegung von Probewohnmaßnahmen, Mietgarantien, Wohnungsbetreuung) erfolgt, kann im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen mit Wohnungsunternehmen und/oder privaten Vermieter*innen auch erreicht werden, dass sich Wohnungen in einem „bewohnbaren Zustand“ befinden.

 

Politisch zu entscheiden wäre, ob hierfür entsprechende Haushaltsmittel (Personal- und Umsetzungskosten) zur Verfügung gestellt werden sollen.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagenverzeichnis:

Geförderte Objekte in Glückstadt

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Geförderte Objekte in Glückstadt (96 KB)