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Pressemitteilung der Bahn AG Glückstadt

Die parteiübergreifende Bahn AG Glückstadt reagiert mit deutlicher Sorge und erheblichem Unverständnis auf die massiven Verschlechterungen im neuen Bahnfahrplan, der ab dem 14. Dezember 2025 gelten soll. Während andere Regionen Verbesserungen erfahren, wird Glückstadt spürbar geschwächt. Die geplanten Änderungen bedeuten weniger Verbindungen, längere Wege, unsichere Umstiege und eine deutliche  Reduktion vom hochwertigen Regionalexpressverkehr. Für eine pendlerstarke Stadt in der Metropolregion Hamburg ist dies ein inakzeptabler Rückschritt.

Ein Schlag ins Gesicht für die Bürgerinnen und Bürger

Bahnhof Glückstadt

Der Bürgermeister hat die Situation bereits in einem Schreiben an Staatssekretärin Susanne Henckel ausführlich dargestellt; die Bahn AG Glückstadt unterstützt diese Kritik vollumfänglich. Dass die positiven Fahrgastzahlen am Bahnhof Glückstadt im Oktober in einem Gespräch mit Vertretern des Ministeriums und der Nah.SH noch ausdrücklich hervorgehoben wurden, die tatsächlichen Planungen derselben nun aber genau das Gegenteil dessen bewirken, sorgt in der gesamten Bahn-Arbeitsgruppe für Irritation. Im bisherigen Fahrplan gab es acht  Direktverbindungen mit dem Regionalexpress RE6 zwischen Hamburg-Altona und  Glückstadt – künftig bleiben davon nur fünf übrig. Ebenso schmerzlich ist der gänzliche Wegfall der direkten Verbindungen der Regionalbahn RB 71 von Hamburg-Altona. Stattdessen müssen Umwege mit der S-Bahn über den Hamburger Hauptbahnhof bzw. nach Pinneberg genommen werden. Insbesondere Berufspendlerinnen und -pendler, die im Hamburger Westen arbeiten, im ungünstigsten Fall in Schichtdiensten, erleben damit eine signifikante Verschlechterung ihrer täglichen Anbindung. Erste Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind ebenso eindeutig wie besorgniserregend: Die Attraktivität des Wohn- und Arbeitsstandortes Glückstadt werde massiv geschwächt, der neue Fahrplan sei ein Rückschritt und zwinge einige  sogar zu Hotelübernachtungen, um verbindlich Termine am Folgetag wahrnehmen zu können. Dass zudem Regionalexpress-Züge, die vorher in Glückstadt hielten, künftig ohne Halt vorbeifahren, sei ein Schlag ins Gesicht für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Geplante "Abkürzung" mehr als kritisch

Darüber hinaus  sieht die Bahn AG die vom Land ins Spiel gebrachte „Abkürzung“ über Horst sehr kritisch. Sie bringt den betroffenen Gemeinden entlang der Strecke keinerlei Vorteile, verschlechtert aber die Erreichbarkeit für Glückstadt erheblich. Maßnahmen zur Haltung und Neuansiedlung von Gewerbe, Wohnraumschaffung oder der Implementierung eines Gründer- und Innovationszentrums werden konterkariert. Die Tatsache, dass Glückstadt Standort einer Abschiebehafteinrichtung sowie einer Landesunterkunft „im Standby“ ist, wird ignoriert, die Personalgewinnung für alle Unternehmen erschwert. Während Sylt-Reisende minimal Zeit gewinnen, trägt der gesamte südliche Teil des Kreises Steinburg die Nachteile. Eine Maßnahme, die so deutlich an den Bedürfnissen einer pendlerstarken Region vorbeigeht, widerspricht jeder glaubwürdigen Verkehrswende und ist politisch wie fachlich nicht nachvollziehbar.

Die Bahn AG weist deshalb erneut auf die naheliegende und technisch unkomplizierte Lösung hin: die Verlängerung des Bahnsteigs in Glückstadt in Richtung Itzehoe. Diese Maßnahme würde kurzfristig zusätzliche Regionalexpress-Halte ermöglichen, die Betriebsabläufe stabilisieren und den regionalen Personenverkehr insgesamt stärken – ohne neue Nachteile für andere Kommunen zu erzeugen. Wer die Marschbahn – den RE6 – verlässlicher und leistungsfähiger machen will, findet hier eine sofort umsetzbare Option.

Region nicht ausbremsen, sondern stärken

Nach Einschätzung der Arbeitsgruppe trifft der neue Fahrplan nicht nur Pendlerinnen und Pendler. Auch Unternehmen, Kliniken, Schichtbetriebe, Besucherinnen und Besucher sowie der gesamte Tourismusstandort Glückstadt leiden unter der schlechteren Anbindung. Eine lebendige, wachsende Stadt ist auf einen funktionierenden Nahverkehr zwingend angewiesen. Die Bedeutung der Bahnverbindung ist ein wesentlicher Standortfaktor und ein zentraler Bestandteil der regionalen Lebensqualität.

Die Bahn AG Glückstadt fordert das Land Schleswig-Holstein daher mit Nachdruck auf, die vorliegenden Planungen umgehend zu überarbeiten und sicherzustellen, dass Glückstadt nicht weiter benachteiligt wird. Mehr Bahn-Halte, verlässliche Verbindungen und Entscheidungen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientieren, sind dringend erforderlich, um die Region nicht auszubremsen, sondern zu stärken.