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25.10.2013

Wasmer-Palais: Wiederherstellung der Nordfassade

Wasmer-Palais Nordfassade

Durch den Abbruch der ehemaligen Gebäude der Bürgerschule zwischen Königstraße und Kommandantengraben entstand an der Nordfassade des Wasmer-Palais eine große klaffende Wunde, weil die beiden Gebäude direkt aneinander gebaut waren. Die offene Stelle im Dach war schnell geschlossen. Die Art und Weise jedoch, wie die Fassade zu schließen sei, wurde bis ins Detail mit einem Bauhistoriker, einem Restaurator und den Denkmalbehörden ausgetüftelt.

Das aus dem Jahr 1708 stammende Wasmer-Palais ist eines der bedeutendsten Baudenkmale in Glückstadt. Ereignisse aus seiner langjährigen Geschichte haben einige Spuren im Mauerwerk hinterlassen. Diese galt es zu finden, zu lesen und zu entscheiden, welche Spuren besonders erhaltenswert sind.

In der baugeschichtlichen Dokumentation des Bauhistorikers Dr. Reimers heißt es dazu: „Unter den Aspekten ‚Substanzerhaltung‘ und ‚Bewahrung des historisch gewachsenen Zustandes‘ als denkmalpflegerische Ziele für den Bereich, der außerhalb des Schulanbaus lag, kann auch für den aktuellen Bearbeitungsbereich ein Zustand in Anlehnung an den von 1879 angestrebt werden, wenn man die Gesamterscheinung der symmetrischen Fassade harmonisieren möchte.“

1879 war dasjenige Jahr, in dem eine Mädchenschule angebaut worden war. Das Wasmer-Palais selbst wurde bereits seit 1876 als Knabenschule genutzt. Der Anbau hatte zur Folge, dass sechs Fenster in der Nordfassade des Wasmer-Palais zugemauert wurden. Als Ersatz wurden an der Westfassade neue Fensteröffnungen geschaffen. Die hervorstehenden gemauerten Faschen um die zugemauerten Fenster herum wurden abgeschlagen. Auch das Dachgesims wurde entfernt, um eine glatt senkrecht durchgehende Wand zu erzielen, die dann mit Innenputz versehen wurde.

Nach Abbruch der Schule galt es also, nicht nur das Dach in seiner ursprünglichen Walmdachform, sondern auch das Gesims und die Faschen wieder herzustellen. Für das Gesims wurden eigens dafür in Glückstadt gebrannte Formsteine verwendet. Die Vermauerung der Fenster wurde belassen als Zeugnis der Geschehnisse aus dem Jahr 1879.

Das neue Erscheinungsbild ist ungewohnt, da der überarbeitete Teil der Fassade nicht mehr den rohen Stein zeigt, sondern die Art der Oberflächen und die Farbgebung sich an den vorgefundenen Farbresten aus der Zeit um 1879 orientieren. So waren gliedernde Elemente wie Gesims, Gurtbänder, Pfeiler und Faschen grau abgesetzt vor einer rötlich lasierten Steinoberfläche.

Es wurde, in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden, Wert darauf gelegt, so viel wie möglich der alten Bausubstanz und der Spuren darin zu erhalten. Die Fassade erscheint dadurch beim ersten Anblick eventuell etwas rau und unfertig. Bei den Baumaterialien wurde, auch aus bauphysikalischen Gründen, traditionellen Produkten, wie Muschelkalkmörtel und Kalkfarbe, der Vorzug gegeben. Es ist vorgesehen, die Fassade als Ganzes wieder zu harmonisieren, sobald auch die übrige Fassadenfläche überarbeitet werden kann.

Die Baukosten liegen insgesamt bei rund 100.000 € brutto. Die Durchführung der Maßnahme war nur möglich, weil sie zu ungefähr 50% von der Aktiv-Region Steinburg finanziell unterstützt wurde. Das Landesamt für Denkmalpflege hat freundlicherweise das bauhistorische Gutachten und ein detailliertes Aufmaß finanziert.