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Das Wasmer-Palais – Förderung der Inwertsetzung

Wasmer-Palais

Das Wasmer-Palais ist ein eingetragenes Kulturdenkmal – nach Aussagen des Landesamtes für Denkmalpflege eines der wichtigsten barocken Palais  in Schleswig-Holstein.
Das Gebäude wurde ab ca. 1705 Jahren für den Konferenzrat und späteren Vizekanzler Jakob Johann von Wasmer errichtet, ab 1752 war es Sitz der Regierungskanzlei, später Obergericht für Holstein. Der zweigeschossige Breitbau mit flachem durch Gesimse und Quaderlisenen hervorgehobenem dreiachsigen Mittelrisalit bildet mit den nachträglich angebauten erst ein-, dann zweigeschossigen schmalen Seitenflügeln einen kleinen Ehrenhof. Das Mittelportal wird durch einen reich gestalteten Sandsteinrahmen betont, dessen durchbrochenen Giebel das Wappen des Erbauerehepaares ziert. Das Innere wurde 1728/29 von dem Luganer Stukkateur Andrea Maini, der zuvor im Kloster Ottobeuren tätig gewesen war, prächtig in schweren Louis-Quatorze-Formen gestaltet. Der bedeutendste Raum des Hauses ist der große Festsaal im Obergeschoss, Stucksaal genannt.
Das Palais wurde in Abschnitten von ca. 1705 bis 1728 für die Konferenzräte Conrad von Wasmer (1627-1705) und Jacob Johann von Wasmer (1671-1741) als Wohnhaus errichtet. 1752 wurde es für Friedrich V. ersteigert und als Sitz der Regierungskanzlei bestimmt, die seit 1700 im Palais Quasi non Possidentes untergebracht war. Im Wasmer-Palais wurde für mögliche Aufenthalte von Mitgliedern des dänischen Königshauses in Glückstadt eine Wohnung eingerichtet, denn das baufällige Glückstädter Schloss war bereits 1710 abgerissen worden. 1806 nahm das Haus das holsteinische Obergericht, die oberste Verwaltungs- und Justizbehörde des Landes, auf. Im Zuge der Koalitionskriege und nach der Zweiten Seeschlacht von Kopenhagen erklärte Dänemark hier - dem Sitz der höchsten damals noch intakten dänischen Behörde - England am 31. Oktober 1807 den Krieg. Nach vorübergehender Nutzung als Kaserne eines militärischen Wachkommandos wurde 1876 das Palais zur Knabenschule. 1879 wurde die Mädchenschule angebaut. In diesem Zusammenhang fanden spürbare bauliche Eingriffe sowohl im Inneren als auch im Äußeren des Gebäudes statt.
Das Palais diente im 2. Weltkrieg als Marinelazarett.
 
Seit Anfang der 1970er Jahre sind im Wasmer-Palais die Volkshochschule Glückstadt mit Kunstschule und die inzwischen organisatorisch selbständige Musikschule Glückstadt untergebracht. Im Stucksaal werden öffentliche Veranstaltungen wie beispielsweise Vorführungen im Rahmen der Kulturnacht durchgeführt und Konzerte der Kammermusik gegeben.

Nachdem die Bürgerschule – so heißt die aus Knaben- und Mädchenschule hervorgegangene Grundschule – im Jahr 2006 ihren Standort verlegt hatte, wurde in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden die Freistellung des Wasmer-Palais erarbeitet. Für das ehemalige Schulgelände wurde im Jahr 2012 ein Bebauungsplan rechtskräftig, der Wohnbebauung vorsieht entlang einer neuen Straße, der Sackgasse „Palaisgarten“. Die Schulanbauten wurden inzwischen abgerissen.

Das Hauptgebäude der ehemaligen Bürgerschule war direkt an der nordwestlichen Gebäudeecke der Rückfassade des Wasmer-Palais angebaut, die Dächer der beiden Gebäude waren miteinander verbunden.
 
Nach Abbruch des Schulgebäudes muss daher zum einen das Dach des Wasmer-Palais auf die ursprüngliche Walmdachform zurückgeführt werden und zum anderen eine Teilfläche der Rückfassade wieder hergestellt werden. Durch diese Inwertsetzungsarbeiten strebt die Stadt Glückstadt an, die dem Wasmer-Palais durch Anbau und Abriss der Schulgebäude zugefügte Wunde zu schließen, damit das Gebäude wieder in seiner ursprünglichen Kubatur erlebbar wird. Gleichzeitig ist die Inwertsetzung des Gebäudes erforderlich, um den Gebäudebestand dieses ländlichen Kulturdenkmals zu sichern und den Gesamteindruck für die Stadt Glückstadt zu unterstreichen.

Die Kostenschätzung für die Inwertsetzungsarbeiten beträgt ca. 109.029,- € brutto. Das Vorhaben wird dankenswerterweise bis zu einem Höchstbetrag von 50.391,- € gefördert auf Initiative des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume aus dem Zukunftsprogramm „Ländlicher Raum“, durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und das Land Schleswig-Holstein. Unterstützt wird das Projekt von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) AktivRegion Steinburg e.V.


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