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22.12.2021

Unverantwortliche Veranstaltungen in Corona-Zeiten?

Weihnachtszweig mit Stadtkirche

Wir oder besser die Welt haben Corona. Immer noch. Leider. Was es Veranstaltern nicht gerade leicht macht, ein geplantes Event im Sinne der Corona-Pandemie doch irgendwie umzusetzen oder – weil nicht machbar – abzusagen. Deshalb wird in den sozialen Netzwerken gerade eine sehr lebhafte Diskussion über das Für und Wider genehmigter Veranstaltungen geführt.

Auslöser war das am Sonnabend auf dem Glückstädter Marktplatz stattgefundene Weihnachtssingen mit dem Entertainer Sören Schröder, an dem im Freien knapp 700 Menschen teilgenommen haben. Auf der anderen Seite des Rings: Fans unseres Weihnachtsmarktes, der eine Woche vorher stattfinden sollte und der dann vom Veranstalter, das Glückstadt-Destination-Management (GDM), vorsorglich abgesagt wurde. Aus Gründen, die in der aktuellen Corona-Landesverordnung zu suchen sind. Dort heißt es in der Rubrik Veranstaltungen unter anderem: Bei Weihnachtsmärkten außerhalb geschlossener Räume hat das vom Veranstalter zu erstellende und dem Kreisgesundheitsamt vorzulegende Hygienekonzept auch eine Risikobewertung zu enthalten. Wie auch immer diese Risikobewertung ausgesehen hätte oder am Ende für den Veranstalter ausgegangen wäre: Eine 3-G- oder 2-G Begrenzung mit einhergehender Besucherbeschränkung hätte aufgrund mehrtägiger Kontrollen viel Personal gebunden oder - bei Einsatz eines Sicherheitsdienstes - hohe Kosten verursacht. Was für unseren kleinen schnuckeligen Weihnachtsmarkt ebenfalls nicht in Frage kam. Deshalb zogen die Verantwortlichen des Touristikbüros schweren Herzens die Reißleine.

Worüber sich der Macher von „Glückstadt Singt“ eine Woche später keine Gedanken machen musste. Es handelte sich beim Weihnachtssingen zwar ebenfalls um eine Veranstaltung im Freien, nicht aber um eine Marktveranstaltung. Der entscheidende Unterschied: Nur bei Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 zeitgleich anwesenden Personen hätte es Einschränkungen gegeben. So reichte bei maximal 700 Freizeitsängerinnen und Sängern ein „normales“ Hygienekonzept. Dieses legte der Veranstalter des Weihnachtssingens dem Ordnungsamt vor, wobei dessen Konzept mit der 3 G-Einlasskontrolle absolut vorbildlich war, ging es doch sogar weit über das Mindestmaß hinaus. Rechtlich gesehen hätte es gereicht, die Besucherströme zu regeln und Oberflächen, die häufig von Besucherinnen und Besuchern berührt werden, regelmäßig zu reinigen und zu desinfizieren. Und was die Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,50 Meter zu anderen Personen und das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes anging: Beides wird laut Corona-Landesverordnung Personen bei solchen Freiluftveranstaltungen nur empfohlen.

Man mag darüber streiten oder sich auch wundern, ob die Corona-Landesverordnung in Punkto Empfehlungen zur Hygiene- oder Kontaktbeschränkungen im Allgemeinen und hinsichtlich Genehmigung von größeren Veranstaltungen im Besonderen in sich plausibel ist oder hier dringender Bedarf einer Nachbesserung erforderlich – entscheiden müssen andere, nicht das Ordnungsamt Glückstadt.  

gez. Biel
Bürgermeisterin