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31.03.2021

Bin ich zu hören? 

Kolumne der Bürgermeisterin 
Bürgermeisterin Manja Biel

Liebe Glückstädterinnen,
liebe Glückstädter!

viele sind derzeit deprimiert. „Nachvollziehbar!“ kann man da nur sagen. Lockdown folgt Lockdown. Das Impfen stockt, die Altersempfehlungen zu Astrazeneca gehen mal in die eine, mal in die andere Richtung, der Corona-Fahrplan ist ungewiss. Da kann man schon verzweifeln. Aber nicht vergessen: Bald wird`s wieder wärmer, die Tage länger. Denn in wenigen Wochen beginnt er nicht nur kalendarisch: Der Frühling! Wir hatten letzte Woche einen wundervollen Vorgeschmack auf ihn und wir hatten Ostern.

Zum zweiten Mal bescherte uns der Osterhase in diesem Jahr ein Corona-Überraschungs-Ei. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dessen Absicht, uns allen bei geschlossenen Geschäften am Gründonnerstag einen zusätzlichen arbeitsfreien Ruhetag und anschließend ein ruhiges Osterfest zu gönnen, währte keine zwei Tage.

Was mich aus Sicht meiner Ordnungsbehörde natürlich freute. Proppenvolle Läden bis einschließlich Mittwoch und dann noch mal am Sonnabend wären die Folge gewesen. Der Corona-Virus hätte sich bei dem dann provozierten Gedränge um die Ostereinkäufe ins Fäustchen gelacht. Vor den wegen Überfüllung geschlossenen Eingangstüren ausgesperrte Kundinnen und Kunden hätte sich angesichts der mittlerweile wohl bei (fast) allen geringeren Toleranzschwelle womöglich in die Haare gekriegt. Nun verlief doch alles wie immer - nicht ganz. Frei Haus kam eine Entschuldigung von einer Frau, die die persönliche Verantwortung für das Oster-Debakel übernahm. Wow, ich rechne der Kanzlerin Angela Merkel ihre ehrliche Entschuldigung hoch an. Eine Ehrlichkeit, die angesichts der scheibchenweise Veröffentlichungen von persönlichen Vorteilen in der großen Politik ausgestorben scheint. Wem wird das, was da jetzt gerade hochkocht, in die Karten spielen?  

Wie erfrischend ehrlich und gleichzeitig bestürzend ist ferner das Statement des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zur fatalen Kommunikation zwischen Bund und Ländern: "Ich habe sechs Stunden auf einen Bildschirm geschaut" – wohlgemerkt bei einer angekündigten Sitzungsunterbrechung von nur kurzer Dauer und nichtwissend wo der Rest seiner Amtskollegen war.

Überhaupt Videokonferenzen - egal ob Schule, Studium, Arbeit oder politische/ehrenamtliche Tätigkeiten: Seit einem Jahr verbringen wir viel Zeit in ihnen. Mittlerweile haben sich die meisten an sie gewöhnt. Die Hemmschwelle im Umgang mit der vermaledeiten Technik sinkt, die medialen Kompetenzen steigen. Doch nicht immer klappt die Teilnahme an einer Videokonferenz ohne Fauxpas. Nicht jede Einrichtung wollte ich tatsächlich zu Gesicht bekommen, nicht jedes Hintergrundgeräusch vernehmen, nicht in jede eigentlich total alltägliche Szene eines Zuhauses der Konferenzteilnehmer einbrechen. Vorbereitung ist eben auch hier alles. Funktioniert das Mikro? „Bin ich zu hören?“ hat sicher große Chancen, Satz des Jahres 2020 zu werden.

Bitte lassen Sie von sich hören – gerne per Videoschalte in meiner nächsten Bürgersprechstunde.

Ihre
Manja Biel